Obdachlosigkeit
Keine Frage der Schuld
"Selber schuld!” und "Mir könnte so etwas nie passieren!” So denken viele. Dass aber am Beginn einer "Sandlerkarriere” nicht Arbeitsunwilligkeit, Faulheit, Alkoholismus oder das viel zitierte "Sozialschmarotzertum” stehen, wird dabei oft übersehen.
Oft sind es Brüche im Leben wie der Verlust des Arbeitsplatzes oder eine Trennung, die eine Abwärtsspirale in Gang setzen. Verschuldung, der Verlust der Wohnung, die ersten Nächte auf der Straße, dauerhafte Obdachlosigkeit und oft erst dann Alkoholismus, Medikamenten- und Drogenabhängigkeit sind dramatische Folgen. In diesen Teufelskreis gerät man leichter als man glaubt. Der Weg zurück aber ist äußerst schwierig.
Akute und versteckte Wohnungslosigkeit
Als obdachlos gilt, wer kein Dach über dem Kopf hat und tatsächlich in Parks, WC-Anlagen oder Abbruchhäusern bzw in einem Notquartier übernachtet. Die Anzahl jener, die bei Bekannten mitwohnen, billige Pensionszimmer mieten oder extrem schwierige Lebensbedingungen ertragen, um nicht auf der Straße zu landen, ist jedoch wesentlich größer. Vor allem Frauen sind von dieser sogenannten verdeckten Wohnungslosigkeit betroffen.
Auffällig im Straßenbild sind die akut obdachlosen Menschen. Sandler oder Penner werden sie genannt - manche sagen Clochards oder Landstreicher mit einem Hauch von Romantik im Unterton. Doch mit Romantik hat es nichts zu tun, wenn man einmal auf der Straße steht. Diese Menschen haben so ziemlich alles verloren - nicht nur ihre Wohnung, sondern auch ihre Familie, ihre Freunde und ihren Beruf.
Das Leben auf der Straße
Einige hundert Menschen verbringen allein in Wien die Nacht auf der Straße. Öffentliche WC-Anlagen, Abbruchhäuser, Zugwaggons und Telefonzellen bleiben als menschenunwürdige Schlafplätze. Das Leben auf der Straße ist gefährlich, im Winter ist es vor allem die Kälte. Obdachlose müssen auch ständig damit rechnen, gestört, belästigt, sogar überfallen und niedergeschlagen zu werden. Sie können sich nirgendwo wirklich ausruhen, leben schutzlos und in ständigem Stress. Sehr bald schon führt dieses Leben zu Vereinsamung, zu massiven Alkoholproblemen und zu schweren Gesundheitsschäden wie Erfrierungen, Hautkrankheiten oder Tuberkulose.
Obdachlosigkeit hat viele Gesichter - betroffen sind auch immer mehr junge Menschen und in zunehmendem Maß junge Frauen. Viele interessante Informationen zum Thema Wohnungslosigkeit finden und über die Caritashilfe in diesem Bereich Sie hier


